Eiskalte Finger und Filzworkshop

Dienstag, 18. Oktober 2011

Am vergangenen Dienstag fand der Filz-Workshop statt. Ich hatte als mögliche Arbeiten Blumen, kleine blumenförmige Schalen und Schmetterlinge vorbereitet. Dies schien mir passend, um den Sommer mit seiner Farbenpracht mit in die kalte Jahreszeit zu nehmen. Der Winter hier ist eisig kalt und sehr lang. Obwohl der Workshop an mehreren Orten ausgeschrieben wurde, machte mich das Lakota-Waldorf-Team darauf aufmerksam, dass wohl wenig Leute erscheinen werden. Es war dann doch ein gutes Grüppchen, da auch das Team der Lakota-Waldorf-Schule mitmachte. Ich war ganz froh, dass nicht allzu viele weitere Leute kamen, denn es ist ziemlich anstrengend, jeweils überall die Augen zu haben. Wird zu früh die weiche Schafwolle mit zu viel Druck gefilzt, verschiebt sich alles und ist nicht mehr gut zu retten. Es ist allgemein so, dass die Lakota sehr zurückhaltend sind, wenn eine Schule ein Angebot macht. Es war zwar selbstvertändlich kostenfrei, doch zu lange durften sie nicht mitreden betreffend der Bildung ihrer Kinder und mussten diese einfach der Schule überlassen. Es braucht viel Zeit, dieses Vergehen der amerikanischen Regierung überwinden zu können.

Ich wurde wirklich langsam nervös, weil es jeden Tag zu starken Wind gab, um das kleine Schulhäuschen zu bestempeln. Nun schaffte ich es Ende letzte Woche doch noch! Es war zwar eisigkalt am Morgen, doch ziemlich windstill. Jeff, einer der beiden Busfahrer, half mir. So arbeiteten wir zügig vorwärts und am Nachmittag konnte ich dann die Pferde noch in aller Ruhe ausbessern. Das Problem war nämlich nur die Schablone, die aus sehr dickem Papier, nicht aber aus Karton bestand. Karton fand ich keinen im Kindergarten und dafür lohnte es sich nicht, die vielen Meilen bis nach Rapid City zu fahren… Ein kleiner Windstoss und die Schablone wollte sich selbständig machen und trotz viiiiiieler Klebestreifen von der Wand losreissen. Ab und zu musste ich zwar meine Finger im heissen Wasser aufwärmen, da ich sie nicht mehr richtig spürte und den Schwamm nicht mehr richtig halten konnte :-( , doch so schnell gebe ich auch nicht auf ;-) . Sie sind doch noch ganz hübsch geworden, oder? Vielleicht stemple ich morgen noch kleine Pferdchen drinnen auf einen Schrank. Dort wäre es jedenfalls warm. Muss schauen, was noch möglich ist, schliesslich fliege ich am Mittwoch zurück in die Schweiz.

 

 

 

 

 

Um die Landschaft nochmals richtig geniessen zu können, fuhr ich am vergangenen Samstag in die Badlands. Nun zu dieser Jahreszeit ist nicht mehr viel los, nur noch wenige Besucher. Das Wetter hätte nicht besser sein können, es war sonnig, aber nicht zu heiss. Wunderbares Wanderwetter! Ich spazierte dann auch ein wenig herum und spitzte meine Ohren, da das Gebiet doch einige Klapperschlangen aufweist … Ich sah und hörte keine, doch entgegenkommende Wanderer erzählten mir, dass sowohl sie als auch eine andere Wandergruppe Begegnungen hatten.

Ich werde einiges vermissen, die Landschaft ist einfach grandios und die Kinder sind mir lieb geworden, doch alles hat seine Zeit. Es ist auch gut, die vielen Eindrücke sich setzen lasssen zu können und wer weiss, vielleicht führt mich mein Weg wieder hierhin…

Nun muss ich mal meine Fotos ordnen und sichern, schliesslich weiss man nie, was jeweils auf den Flughäfen mit dem Gepäck gemacht wird…

One Response to “Eiskalte Finger und Filzworkshop”

  1. Hermann Fischer Says:

    Liebe Frau Stöcklin,
    sind Sie wieder wohlbehalten daheim gelandet? Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es nach einer solchen Reise immer eine ganze Weile dauert, bis man sich wieder an das europäische Alltagsleben gewöhnt hat. Geist und Seele brauchen stets etwas länger, um anzukommen.
    Ich freue mich, dass Sie die Bemalung der Hauswände mit Pferdefiguren noch rechtzeitig geschafft haben. Es sieht wirklich schön und passend aus!
    Nochmals herzlichen Dank, dass Sie mich an Ihren Erlebnissen und Begegnungen auf der Pine-Ridge-Reservation haben teilnehmen lassen. Und wer weiß, vielleicht begegnen wir uns ja mal in Kyle…
    Viele Grüße aus Westfalen in die Schweiz
    Hermann Fischer

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